Interview mit Marcel Fässler

Ronny Alder: Was war als Kind Dein Traumberuf?
Marcel Fässler: Ich wollte zuerst Truckfahrer in Kalifornien werden: die Trucks haben mich fasziniert. Als ich dann im Alter von 7 Jahren mit Kartfahren begonnen habe, wurde Formel-1-Fahrer zu meinem neuen Traumberuf.

Gibt es jemanden, der dieses Vorhaben von Beginn an unterstützt hat?
Mein Vater. Ohne ihn wäre ich nie zum Rennsport gekommen. Er lebte für Autos und für den Rennsport.

Warum hast Du Dich 1993 für die Teilnahme an der Winfield-Talentförderung in Frankreich entschieden?
Dein Vater, Jacques Alder, überzeugte mich von der Winfield-Talentschmiede. Dies war für mich die einzige Möglichkeit, ohne Budget den Sprung vom Kartfahren in den Formel-Sport zu schaffen. Bei der Talentförderung konnte man sich über diverse Ausscheidungen für das Finale qualifizieren. Dem Sieger winkten ein Vertrag bei ELF und ein Cockpit bei der französischen Formel Renault Campus-Nachwuchsmeisterschaft. Leider hatte ich es damals als Dritter nicht geschafft, das Cockpit zu gewinnen.

Wie ging es weiter?
Mit meinen Leistungen hatte ich als einziger Nichtfranzose die Jury (u.a. mit Olivier Panis) beeindruckt. Dies führte dazu, dass man mir zwar ein lukratives Angebot machte, aber die Summe für ein Cockpit war trotzdem zu hoch. Ich setzte ein Jahr aus und ging auf Sponsorensuche. Dein Vater Jacques war damals massgebend beteiligt, da er seinen früheren Arbeitgeber, die Renault
Schweiz, Facom und Elf für mich gewinnen konnte. Zusammen mit seinem eigenen finanziellen Zustupf und dem meines Vaters wurde der Einstieg in den Formel-Rennsport möglich. Ich frage mich manchmal, was Deinen Vater dazu bewogen hatte, sich ausgerechnet für mich zu engagieren und mich finanziell zu
unterstützen? Ich stand ja noch am Anfang meiner Karriere und es gab zahlreiche andere Talente.

Für meinen Vater warst Du immer ein Ausnahmetalent. Er war von Beginn von Deinen Leistungen und Deinem Potential überzeugt. Er lobte Deine motivierte Herangehensweise und Deine Bescheidenheit. – Kommt Dir aus dieser Zeit grad spontan eine Anekdote in den Sinn?
Ja. Beim ersten Lehrgang konnte ich nicht richtig Zwischengas geben. Irgendwie haperte es mit der Koordination. Jacques hat mir dann mit Hilfe von Handzeichen und dem Nachahmen des Formel-1-Sounds perfekt zeigen können, wie das Runterschalten mit Zwischengas funktioniert und wie es sich genau anhören soll.
Danach hat das tadellos geklappt.

Wir freuen uns sehr für Dich, dass Du als einer der wenigen Schweizer seit vielen Jahren vom Autorennsport leben kannst. Was ist für Dich das Faszinierendste an Deinem Job?
Für mich ist das Bewegen eines Fahrzeuges am Limit das Faszinierendste. Egal mit welchem Auto. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man spürt, da geht nichts mehr und keiner kann noch schneller sein.

Hast Du spezielle Gewohnheiten vor einem Rennen?
Wenn ich zeitlich kann, schlafe ich ganz gerne. Ich ziehe mich total zurück, kann alles ausblenden und bin nur noch für mein Team zugänglich.

Welcher war der glücklichste Moment in Deiner Motorsport-Karriere?
Ich hatte viele schöne Momente. Mein erster Formel-3-Sieg, oder der erste Sieg in der DTM, aber auch derjenige bei den 24 Stunden von Spa auf der Corvette waren bewegend. Aber der allerschönste Moment war der Le Mans-Sieg mit Audi im letzten Jahr, der schwer zu übertreffen ist. Leider konnte mein Vater meinen grössten Sieg nicht mehr miterleben.

Was bedeutet Dir der Sieg der 24 Stunden von Le Mans? Wo kann man diesen Sieg einordnen?

Le Mans ist eines der weltweit bekanntesten Rennen, wenn nicht sogar das bekannteste. Man kann diesen Sieg mit einer Olympischen Goldmedaille vergleichen oder wie ein Ski-Abfahrtssieg in Kitzbühel.

Was würdest Du einem jungen Nachwuchstalent mit auf den Weg mitgeben?
Einem Nachwuchstalent empfehle ich, sich bei Euch an einem Fahrtraining mit Formel Renault 1600 anzumelden. Die erfahrenen Top-Instruktoren der ehemaligen Winfield-Talentschmiede erkennen rasch, ob jemand wirklich talentiert ist.
Grundsätzlich gibt es viele Eigenschaften, die für den Autorennsport stimmen müssen. Aber, wie das auch bei mir der Fall war, würde ich sagen: Versuche alles, auch wenn es manchmal mehr als nur aussichtslos ist. Irgendwo geht immer ein Türchen auf. Und wenn es nicht klappt, hast Du wenigstens etwas fürs Leben gelernt.


Es ehrt uns sehr, dass Du unser Markenbotschafter bist. Was hat Dich dazu bewogen?
Ich bin sehr dankbar für all das, was Jacques für mich gemacht hat. Er hat mir den Einstieg in den Autorennsport ermöglicht. Jetzt kann ich Euch etwas zurückgeben und ich freue mich, dass Du, Ronny, die Firma so toll weiterführst. Du lebst die Marke Passion4Speed und das sagt ja schon alles.

Vielen herzlichen Dank. Ich wünsche Dir, Marcel, weiterhin zahlreiche Glücksmomente und viel Erfolg.